Welche Macht deine Gedanken haben …

Webinar in der OnlineUniversity24 mit Beatrice Fischer-Stracke: Wie deine Bilder im Kopf zum Erfolg im Außen führen

 

… darüber spreche ich in meinem Webinar der Online University 24 am 21. März. Deine Vorstellungen prägen dein Leben.

Die ersten beiden Monate des blutjungen Jahres sind schon vorbei. Wie verliefen sie für dich? Bist du zufrieden? Oder etwa enttäuscht … Die meisten Menschen beginnen mit vielen guten Vorsätzen im neuen Jahr. Am Ende des Jahres bleiben dann fast nur noch Vorsätze. Deshalb (mehr …)

Stellt die Bestimmung eines Stimmfachs für Sängerinnen und Sänger eine Begrenzung ihrer Möglichkeiten dar?

Beatrice Fischer als Norina in "Don Pasquale"

Beatrice Fischer als Norina in „Don Pasquale“

Zunächst sollte man wissen, dass die Zuordnung eines Stimmfachs aus der klassischen Musik, vor allem der Oper her rührt.

Die hier geläufigen Stimmfächer sind Sopran, Alt, Tenor und Bass. Dazu kam dann Bariton und Mezzosopran. Im Laufe der Jahrhunderte splitterten sich die Stimmbezeichnungen stark auf, sodass man auf 25-30 Stimmfachbezeichnungen kam.

So ist z.B. ein Sopran nicht nur ein Sopran, sondern man unterscheidet

~# dramatischer Koloratursopran,

~# leichter Koloratursopran,

~# dramatischer Sopran

~# jugendlich-dramatischer Sopran

~# hochdramatischer Sopran

~# lyrischer Sopran

~# lyrischer Koloratursopran

~# Soubrette.

Die ausführlichen Bezeichnungen findet man auch unter Wikipedia – Stimmfach.

Deshalb kam mir das Veranstaltungs-Thema der Regionalen Fortbildung des Bundesverbandes Deutscher Gesangspädagogen am 6. Februar 2016 gerade recht. Es lautete „Stimmfächer – Bestimmung, Grenzen, Repertoire“. Als Referenten waren zu hören Prof. Dr. Peter-Anton Ling, Bariton und Experte für Stimmfach-Bestimmung sowie Frau Antonia Klein von der Agentur Klein.

Viele Dinge waren mir zwar geläufig. Dennoch war es erstaunlich auch für mich, zu hören, wie zahlreich sich die Stimmfachbezeichnungen in den Jahrhunderten verändert haben. Inzwischen geht man wieder den Weg, die Bezeichnungen zu komprimieren und nicht so aufgefächert einzuteilen.

Stimmfach und angrenzende Partien …

Solche Bezeichnungen findet man heute in vielen Theater-Verträgen für Sänger und Sängerinnen. Eigentlich sollten Theater-Verträge auch zum Schutz für die Sänger formuliert sein. Aber was bedeutet dann der Ausdruck „angrenzende Partien“ und worauf kann sich ein Sänger noch berufen?

Wie hat sich der Markt inzwischen verändert?

Ist es leichter oder schwerer, als Sänger/In ein Engagement an einem Theater zu bekommen? Und wie wird er seinen stimmlichen Fähigkeiten nach eingesetzt? Mit diesen Fragen beschäftige ich mich natürlich allein schon durch meinen Unterricht.

Mehr als 30 Jahre war ich aktive Sängerin in Oper, Operette und Musical. Meine Stimmlage war leichter, lyrischer Koloratursopran und mein Stimmfach über viele Jahre Soubrette. Und so vielfältig wurde ich auch eingesetzt. Manchmal an die Grenze des Machbaren. Dank einer guten Gesangsausbildung habe ich meine Stimme nicht kaputt gemacht und sie ist bis heute noch gut in Schuss. Dank vor allem meiner Lehrerin, der verstorbenen Erika Zimmermann.

Doch wie oft erlebte ich – und hörte auch bei dem Fortbildungsvortrag – , dass junge Sänger an ein Haus verpflichtet werden und dort Partien ausgesetzt werden, denen sie mit ihrer noch jungen Stimme nicht gewachsen sind. Nach 2-5 Jahren müssen sie deshalb ihren Wunschberuf wieder aufgeben.

Da taucht bei mir die Frage auf, in welcher Verantwortung stehen die Intendanten und wie viel Ahnung haben sie überhaupt von Gesang und Stimmpflege, vor allem auch einer gesunden Stimmentfaltung?

Die Antwort gibt vielleicht eine Statistik, die Prof. Dr. Ling angab: 30 % der Intendanten kommen aus einem musikalischen Beruf. Die restlichen 70 % setzen sich zusammen aus Betriebswirtschaftlern, Journalisten, Dramaturgen, kurzum Berufen, die nicht unbedingt etwas mit Gesang zu tun haben.

Dazu sollte man sich auch immer vor Augen halten als verantwortlicher Theaterleiter, Dirigent oder Operndirektor, dass Singen an sich ja schon einem Hochleistungssport gleicht. Dies hat man in einigen wissenschaftlichen Messungen festgestellt. SängerInnen für Oper und Operette singen nach wie vor ohne Mikrofon. Allein durch die Kraft ihrer Stimme und deren körperlicher und mentaler Unterstützung schafft es der Klang, über ein großes Orchester bis in die letzten Stuhlreihen den Zuhörer zu erreichen.

Wird man nun mit einem falschen Fach besetzt, kann die Stimme schnell überfordert werden und ihren Glanz verlieren. Der Sänger steht vor dem beruflichen Aus.

Deshalb – und dies haben die beiden Vortragenden immer wieder betont – ist es so wichtig, dass ein Sänger selbstverantwortlich handelt. Auch wenn dies u. U. mit den Theaterleitern kollidiert.

Die große Verantwortung im Gesangsunterricht und von Gesangspädagogen

Voraussetzung ist zuallererst, dass der junge Mensch einen guten Gesanglehrer bekommt. Der seine Fähigkeiten entdeckt und sanft fördert. Ihn leitet und nicht sofort mit schweren Arien arbeiten lässt. Ein Sportler wird auch nicht als Stabhochspringer anfangen, sondern es wird erst sein Talent ausgelotet, dann wird er Schritt für Schritt darauf hingeführt und die Ansprüche werden allmählich gesteigert.

Menschen, die in meinen Gesangsunterricht kommen, werden erst mit den Basics vertraut gemacht. Die anfänglich schon schwierig genug für Neulinge sind. Dann wird mit der Mittellage gearbeitet, vorsichtig höhere und tiefere Töne angesungen. So wird die Tessatura für schwierigere Stücke vorbereitet.

Jeder Gesangspädagoge sollte hier ein größtmögliches Maß an Verantwortung tragen. Und dies natürlich auch bei Menschen, die den Beruf als SängerIn nicht ausüben möchten, sondern nur aus Spaß an der Freud singen wollen.

Eine Sänger-Stimme muss gesund wachsen und reifen können, erst dann ist ein Fachwechsel möglich und empfehlenswert

Steht eine Sängerin oder ein Sänger schon mehrere Jahre im Beruf und geht pfleglich mit seiner Stimme um, wird sich in den meisten Fällen seine Stimme verändern. Oft folgt dann ein Fachwechsel. Dies kann vom Mezzo zum Sopran, aber auch umgekehrt sein. Ein lyrischer Tenor wechselt in ein dramatischeres Fach, ein Bariton entwickelt sich zum Tenor oder umgekehrt etc. Ein Fachwechsel sollte immer von guten Beratern und vom Gesangslehrer begleitet sein.

Ansonsten kann ein solcher Fachwechsel schnell schief gehen. Die Gefahr besteht natürlich auch in der eigenen Einschätzung seiner Möglichkeiten. Möchte ein leichter Buffo um alle Welt zum jugendlichen Heldentenor wechseln, die Stimme gibt es aber nicht her, dann ist Krieg angesagt. Auch als Sänger mit vielen Träumen und Visionen sollte man auf dem Boden bleiben. Sonst versagt im wahrsten Sinn des Wortes die Stimme.

Bei Frauen spielt natürlich auch die Menopause eine große Rolle. Die Stimme wird dann bei Frauen häufig tiefer. Wenn eine Sängerin im täglichen Theaterablauf steht, hat sie ganz schön damit zu kämpfen. Manche Stimme wird auch trockener, viel trinken ist hier die Devise. Und sich einen guten Arzt suchen, der gewissenhaft ist und nicht unbedingt und um jeden Preis Hormone an die Frau bringen will. Diese können mitunter sogar ein Krebsrisiko darstellen, wie gestern eine Betroffene in der Veranstaltung warnte.

Wichtig ist, immer singen und nicht aufhören, denn das würde die Stimmschönheit beeinträchtigen. Leider sind die Wechseljahre immer noch ein Tabuthema, über das nicht gern gesprochen wird. Aber es ist nun mal da und nicht wegzuradieren.

Manche Sängerinnen sprechen offen darüber, wie z. B. Brigitte Fassbaender hier im Interview mit Manuel Brug für DIE WELT: „Man darf sie alles fragen, sie ist für ihre Generation bemerkenswert offen. Redet etwa frank und frei über die Wechseljahre, ‚die bei Sängerinnen immer noch ein Tabu sind und auf die einen niemand vorbereitet. Was habe ich da alles mit Hormonen rumexperimentiert, bis ich den richtigen Doktor hatte. Oft war die Stimme morgens pelzig, man war ein Bass und musste sich mühsam bis zu abendlichen Konzert hochschrauben. Nicht schön.‘ Auch das hat das Loslassen, das Aufhören erleichtert: ‚Immer nur dieses Selbstreferenzielle. Alles drehte sich nur darum, zur Vorstellung in Form zu sein.‘ “

Wie ich im Vortrag von Prof. Dr. Ling mit Schrecken gehört habe, kommt es heute aber häufig gar nicht mehr dazu, dass eine Sängerin ihre Menopause am Theater erlebt. Die Intendanten kündigen Frauen um die 40 und holen sich jüngere.

Wenn man bedenkt, dass eine Sopranistin mit spätestens 27 im Engagement stehen sollte, hat sie heute nicht mehr besonders viel Zeit, um sich zu entwickeln und Karriere zu machen.

Was für eine Vorstellung! Gerade Sänger mit Bühnenerfahrung können eine Rolle viel besser ausloten. Ihr mehr Farben geben und mehr Charakter. Nicht nur schauspielerisch, sondern auch musikalisch.

Der Jugendwahn hat auch in den Musiktheatern Einzug gehalten. Daneben auch eine Kostenfrage, denn junge, gerade fertig studierte Sänger und Sängerinnen kosten eben weniger.

Wir haben in Deutschland eine unvergleichliche Theaterlandschaft. Rund 54 % der Opernhäuser der Welt stehen in Deutschland. (China ist allerdings stark im Vormarsch.) Es wäre unverantwortlich, wenn dieses Gut, was über Jahrhunderte aufgebaut wurde, durch machthungrige, verantwortungslose Theaterleiter kaputt saniert werden würde.

Fazit: In meiner Theaterzeit habe ich doch einige Partien gesungen, die angrenzend an mein eigentliches Stimmfach waren. Persönlich hat es mir nicht geschadet. Und manche Grenzpartien bringen einen auch weiter.

Allerdings war ich immer wieder bei meiner Lehrerin zur Kontrolle und nach ihrem Tod bei anderen guten Lehrern. Ich kann nur jedem Berufssänger raten, immer in monatlichen Abständen Unterricht zur eigenen Kontrolle zu nehmen. Denn es ist unweigerlich so, dass man in der täglichen Proben- und Aufführungsroutine stimmlich etwas verschlampt.

Wenn ich mir die Entwicklung in der deutschen Theaterlandschaft anschaue, bin ich sehr glücklich, dass ich eine so lange und schöne Zeit auf der Bühne stehen durfte. Dass sich meine Stimme auch entwickeln durfte und ich nicht mit 40 gekündigt wurde. Traumhafte Rollen und die Arbeit mit einigen wirklich guten Regisseuren bestätigten mir im Rückblick, warum ich diesen Beruf unbedingt ausüben wollte und es mein absoluter Herzenswunsch war. Es war eine unvergleichliche Zeit.

Dennoch weine ich ihr nicht hinterher, ich habe jetzt auch, zwar andere, aber höchst interessante, anspruchsvolle und verantwortliche Tätigkeiten, die mich mit viel Freude erfüllen. Die Bühnenarbeit jedoch hat in mir den Blick für den Menschen geschärft durch die Erarbeitung der unterschiedlichsten Rollen und Charaktere.

Gesangunterricht, der Schlüssel zum Inneren … positive Begleiterscheinungen im psychischen Bereich durch Arbeit an der Stimme

Wer singt oder Gesangunterricht nimmt, braucht keinen Psychiater mehr. Denn Gesang bricht innere Schalen auf. Dabei lässt man alles starre Gefüge mit der Zeit hinter sich. Bei dem einen dauert der Prozess länger, beim anderen ist es innerhalb einer kurzen Phase geschehen.

Alte Gewohnheiten los zu werden und sie durch neue Vorgehensweisen zu ersetzen ist oftmals ein langwieriger Prozess.

Durch den Gesangunterricht lernt man sich plötzlich wirklich kennen, von ganz innen. Sozusagen von einer ganz anderen Seite. Meine Lehrerin Erika Zimmermann sagte immer, der Schüler muss den inneren Tastsinn entwickeln. Und genau dies gebe ich auch an meine Schüler weiter.

Der innere Tastsinn, der für manche zu Beginn des Unterrichts ein Buch mit sieben Siegeln ist. Menschen, die sich nie mit ihrem Körper beschäftigt haben, fällt es besonders schwer, diesen nun zu erkunden. Was heißt das nun?

Sich mit seinem inneren Körper zu beschäftigen, heißt ganz andere Vorgänge wahrzunehmen, als es im außerkörperlichen Bereich geschieht. Hier kann ich Muskeln spüren, ich fühle, wenn ich die Haut berühre und ich kann orten, wo ich was spüre. Ich kann sehen und hören. Das Körperinnere ist weitaus diffuser.

Auch und vor allem als Lehrer ist es nicht immer leicht, gewisse Vorgänge im Körper einfach zu erklären. So dass sie der Lernende versteht. Dazu muss ich sagen, dass vieles sofort oder nach kurzer Zeit verstanden wird, aber der Körper kann es noch nicht umsetzen. Zu viele unbewusste Vorgänge laufen automatisiert, so entstehen Gewohnheiten.

Diese zu verändern, benötigt einen längeren Prozess des Umdenkens.

Das Unterbewusstsein ist ein träges Tier …

Die Zunge als Stimm(ungs)macher – mal angespannt, mal zu quirlig und meist verkrampft.

Für den Schüler ist es häufig ein gefühltes Risiko, sich seiner Stimme anzuvertrauen. Bei manchen ist es ein richtiger Kontrollzwang, alles im Griff zu haben, damit es funktioniert. Bei anderen wieder der Drang nach Perfektionismus. Auch hier ist Loslassen die Lösung, ähnlich wie in vielen Bereichen des menschlichen (Zusammen-)Lebens.

Immer wieder erlebe ich es im Unterricht, dass Menschen sich selbst blockieren. Dies ist eine Geisteshaltung, eine innere Einstellung, die oftmals nicht die Kontrolle aus der Hand, in dem Fall aus der Zunge geben will. Die Zungenwurzel wird angespannt, zieht sich nach hinten und drückt so auf den Kehlkopf. Dass jetzt kein freier Ton entströmen kann, leuchtet ja ein.

Aber die Zunge locker zu lassen, ist eine Hürde, die manche tatsächlich Jahre nicht überspringen können. Sie fürchten sich vor dem Ton, der etwa entgleisen könnte, wenn sie die Kontrolle darüber abgeben.

Die Stimmlippen machen das eigentlich wunderbar von alleine. Sie benötigen keinen Druck, weder von oben noch in übermäßiger Weise von unten. Und schon gar nicht benötigen sie Druck von der Zungenwurzel. Wenn man sie lassen würde, würden sie sich einfach die Luft nehmen, die sie brauchen, um damit wunderbare und kräftige Töne zu produzieren. So aber werden sie ständig sozusagen vergewaltigt. Von unten wird gepresst und von oben drückt die Zungenwurzel oder es finden Muskelanspannungen im Kehlkopfbereich statt.

Wenn wir die Zunge nicht in den Griff bekommen und es lernen, sie locker zu lassen, singen und sprechen wir immer wie mit angezogener Handbremse. Die Stimmlippen werden überbeansprucht und können dabei nie wirklich glasklare Klänge und Laute hervorbringen.

Natürlich ist das salopp ausgedrückt, aber im Endeffekt ist es genau die Vorgehensweise. Jeder Sprecher oder Sänger sollte für die perfekte Schwingung der Stimmlippen die optimalen Gegebenheiten rundum schaffen, und im Grunde nicht in den klangerzeugenden Bereich eingreifen, dann klingt sie offen, frei und absolut authentisch.

Durch eine angespannte Zunge funktioniert auch der Atemapparat nicht richtig und wir schöpfen das volle Potential niemals aus. So klingt die Stimme immer rauh oder neblig, wie ich gern sage. Übermäßig viel Luft, die durch die Stimmritzen gepresst wird, kann sich gar nicht in reinen Klang verwandeln.  Und das ist doch eigentlich jammerschade.

Gesangsunterricht wirkt befreiend und man lernt, sich von Zwängen loszulösen.

Im Stimmtraining lehre ich, wie man langsam die Körperabläufe spürt, um einen optimalen und klangvollen Laut zu produzieren. Die beteiligten Muskeln werden gestärkt, um Brust- und Rückenraum offen stehen lassen zu können. Dazu kommt der untere Stützmuskel, der hilft, den Ton anzuschwingen.

Beide zusammen – offener Brust- und Rückenraum und Stützmuskulatur – sind ein äußerst effektives Team und können optimal auch nur im Team arbeiten.

So schaffen Sie sich einen wirklichen Klangkörper.

Dies als Pädagoge zu erklären, ist nicht immer einfach, da es eine abstrakte Darstellung des Ablaufes darstellt. Man kann ja nicht sagen, jetzt drückst du mal auf die schwarze oder weiße Taste, wie beim Klavier. Der eigene Körper ist ja das Klanginstrument und das gilt es zu erforschen.

Doch wer es einmal geschafft hat, die Stimme wirklich wunderbar erklingen zu lassen, wird danach süchtig. Versprochen … Dieser Aha-Effekt bewirkt nämlich, dass der Trainee sich immer mehr nach diesem einzigartigen und vollen Klang sehnt.

Jeder empfindet seine eigene Stimme plötzlich ganz anders. Und hat plötzlich ein freies Körpergefühl, die Stimme klingt ohne Anstrengung, frei und voluminös. Was am Anfang zugegebenermaßen eine Hürde ist, die es zu überwinden gilt, wird mit der Zeit dann immer leichter.

Gut sitzende Töne – alles eine Frage des Geistes bzw. der geistigen Vorstellung und des Vorausdenkens.

Weil die Materie in der Darstellung nicht so einfach ist, arbeite ich im Unterricht deshalb viel mit Bildern. Hier kommt es natürlich immer auf den Typ des Lernenden an. Der eine braucht eine klare körperliche Vorstellung, der andere schafft es über Pflanzen- oder Naturbilder oder wieder andere mit baulichen Visionen.

Der Phantasie eines Lehrers sind hier keine Grenzen gesetzt. Eine meiner langjährigen Schülerinnen ist ein absoluter Zahlenmensch und übt beruflich eine verantwortliche Tätigkeit in diesem Bereich aus. Hier kam ich in einer Stunde auf die Idee, dass sie sich die einzelnen Körper-Bereiche als Zahl vorstellen sollte.

Ich kann mich noch gut erinnern, als sie in dieser Stunde Probleme mit der Atemführung hatte. Ich sagte ihr dann, stell dir vor, du bist eine Summe X und du gibst nichts davon her. Und was soll ich sagen, es hat funktioniert. Der Ton kam klar und rein. Wir haben sehr gelacht.

Die bloße geistige Einstellung bewirkt also schon die richtige Körperhaltung. Es ist wirklich nur die Vorstellung, z.B. wie der Ton klingen soll. Wo ich ihn ansiedle, ob ich mit Freude oder mit einer lahmen Einstellung singe. All dies spielt bei einer wohlklingenden Stimme eine große Rolle.

Fazit:

Im Endeffekt lernt jeder, dass richtig Singen ein Ausdruck der heiteren Lockerheit ist, aber doch gewisse Formen braucht. Jeder Mensch, der sich darauf einlässt, singen zu lernen, lässt sich auf das Selbst ein. Er erfährt dabei eine Menge über sich. Wo ist er zu eingefahren, wo kann er nicht loslassen, wo gibt es falsche Glaubenssätze, wo fehlt das Vertrauen zu sich selbst oder wo ist er zu ehrgeizig.

Dieses Wissen kann ihm einen Zugang eröffnen zur besseren Bewältigung privater und beruflicher Probleme. Deshalb ist Gesangunterricht nicht nur für Menschen gut, die schon eine schöne Stimme haben und sie verbessern möchten. Gesangunterricht ist für jeden aus jeder Berufssparte und jeden Alters wertvoll.

Es ist ein Erlebnis und ein Erfahren seiner selbst.

Gesangunterricht ist ein Schlüssel zum Ich.

So befreien Sie sich von Versagensängsten beim Singen

Angst schränkt Ihre Persönlichkeit ein und verkrampft Ihre Stimme

“Angst essen Seele auf“ … Dieser Filmtitel des verstorbenen Regisseurs Rainer Werner Fassbänder bringt es auf den Punkt. Wenn man es auf die Stimme überträgt, kann man genauso gut sagen: Angst schnürt die Kehle zu.

Denn es ist tatsächlich so. Das, wovor man Angst hat, kommt auf einen zu und schlägt unbarmherzig zu. Dabei ist es in der Regel so, dass Angst häufig unbegründet ist und man sich selber dieses „Zuschnür“-Paket schnürt.

Fünf Gründe, warum Menschen Angst haben, wenn es um Singen geht

Allein die bloße Vorstellung, was passieren könnte, wenn … jetzt der Ton platzt, wenn ich krächze, wenn ich falsch singe und und und, reicht völlig aus, um sich enorm zu verkrampfen.

Diesen Part übernimmt meist die Zunge. Sie zieht sich nach hinten und verhindert, dass der Ton frei schwingen kann. Es ist zudem häufig so, dass man bei Angstzuständen oder Unsicherheiten vergisst, dass es einen tiefen Atem und eine Stütze gibt, die doch der Stimme Halt und Volumen geben.

Aus der Praxis meines Gesangsunterrichts konnte ich feststellen, was die Menschen Angst haben lässt. Diese 5 Gründe können so große Angst erzeugen, dass der Ton deshalb meist wirklich daneben geht oder hart, unschön und verkrampft klingt:

1. Angst generell vor dem Singen, weil man als Kind oder Jugendlicher immer gehört hat, dass die Stimme nicht schön ist und man deshalb nicht (mit-)singen solle.

2. Angst vor dem ersten Ton.

3. Angst vor einem vermeintlich hohen Ton.

4. Angst, die Kontrolle abzugeben.

5. Angst, sich zu bloßzustellen.

So unterschiedlich die Charaktere, das Alter und der berufliche Hintergrund meiner Stimmschüler auch sind, so ähnlich sind sich viele Verhaltensweisen beim Gesangsunterricht.

Lassen Sie uns die 5 Punkte mal nacheinander durchgehen.

1. Angst vor dem Singen allgemein

Meine Bewunderung gilt wirklich den Menschen, die meinen Unterricht aufsuchen, weil sie als Kind immer gehört haben: Lass das Singen sein. Du kannst nicht singen. Du klingst schrecklich etc. Sie möchten es doch nochmal ganz genau wissen. Haben sie wirklich so schrecklich geklungen? Oder war das eher nur Willkür der Lehrer oder Mitschüler oder Ungeduld der Eltern und Geschwister?

Eines ist klar, es gibt begabte und unbegabte Menschen. Und man muss und kann nicht für alles gleich begabt sein. Aber wir sehen, wie tief der Wunsch, zu singen, im Menschen verwurzelt ist. Denn diejenigen, die zu mir kommen, weil sie es noch einmal mit dem Singen probieren möchten, sind alles in der Regel gestandene Frauen – Männer trauen sich leider viel weniger.

Diese Frauen sind häufig sehr erfolgreich im Beruf, in Führungspositionen oder in anderen firmenstrategisch wichtigen Stellungen tätig. Jedoch das Trauma aus der Kindheit hat sie bis heute nicht losgelassen. Dieser Mut ist bewunderungswürdig, dann den Entschluss zu fassen, in den Gesangsunterricht zu gehen.

Nun gilt es, behutsam an die Stimme heranzugehen. Das erste Wieder-Kennenlernen mit der Gesangsstimme ist oftmals nicht einfach. Die anfänglich noch störrischen Klänge sind ungewohnt und das Gehör vielfach nicht trainiert. Einige haben, wie sie mir erzählten, seit ca. 40 Jahren nicht mehr gesungen.

Welch ein Erlebnis ist es aber, wenn irgendwann nach Wochen oder sogar erst nach Monaten ein schöner und sauberer Klang dem Mund entströmt. Nicht selten fließen dabei Tränen …

Das Trauma ist jetzt dabei, aufgelöst zu werden. Das ist auch für mich ein wunderschöner Augenblick, wenn ich das Leuchten in den Augen der Damen sehe und sie glücklich aus der Stunde gehen. Sie haben die Liebe zu ihrer Stimme, ihrem Klang wiedergefunden. Dies oftmals erst nach Jahrzehnten …

2. Angst vor dem ersten Ton

Oh ja, die Angst vor dem ersten Ton. Ich kenne sie nur allzu gut auch aus meiner aktiven Zeit als Sängerin. Wer will es also Gesangsneulingen verübeln, wenn diese Angst wie eine Wand vor ihnen steht.

Die Angst vor dem ersten Ton entsteht meist aus falscher Behandlung der Vokallaute oder weil er bei schwereren Gesangsstücken recht hoch angesiedelt sein kann. Zu Letzterem kommen wir im nächsten Punkt.

Bei den Vokallauten sind die gefürchtetsten „i“ und „e“. Dabei sind sie gar nicht so schrecklich, wenn man sie nicht breit und flach singt, sondern sie sich rund denkt. Dazu verhelfen eine ovale Mundstellung und eine Zunge, die nicht den Rückwärtsgang einlegt, sondern brav im Unterkiefer liegt. Dazu sollte man auch den Rachen und die Kehle weiten. Mit einer leichten Gähnstellung schafft man das recht gut.

Hochatmung vermeiden, das Zwerchfell nach unten lassen und den Ton nicht als Feind sehen. Besser ist es, wenn man sich vorstellt, ihn zu streicheln oder ihn einfach als guten Freund begrüßen.

Diese geistigen Vorstellungen bewirken so unglaublich viel in der ganzen Einstellung der Sprache oder dem Gesang gegenüber. Sie allein sorgen schon für eine gute und positive Körperspannung.

3. Die Angst vor dem vermeintlich hohen Ton

Sie ist bei fast allen Schülern vorhanden. Die Höhe, bei der das Zittern beginnt, ist dabei sehr unterschiedlich. Bei dem einen fängt die Angst schon bei einem eingestrichenen „a“ an, bei dem anderen erst bei einem zweigestrichenen „e“.

Was passiert dabei? Ich bin kein Arzt, aber ich beobachte natürlich sehr genau. Kommt ein Schüler beim Gesang in eine Tonregion, die ihm vermeintlich hoch erscheint, zieht sich unwillkürlich die Zunge in den Rachenhintergrund zurück. Auf diese Art und Weise drückt der Zungengrund auf den Kehldeckel und lässt keinen frei fließenden Ton mehr zu.

Man möchte damit wohl der Stimme unterstützend „unter die Arme greifen“, und ihr helfen, den hohen Berg zu erklimmen. Meist schaut man auch noch angestrengt zur Decke, weil ja da oben der Ton sitzt ;). Doch das ist natürlich ein Trugschluss. Eine Faustregel sagt: Hohe Töne sucht man auf dem Boden, die tiefen an der Decke. Nun so ganz würde ich hier nicht zustimmen, denn grade auf dem Boden zu schauen während des Singens ist nicht empfehlenswert. Gemeint ist aber, bei hohen Tönen keinesfalls „himmeln“, denn unwillkürlich greift auch wieder die Zunge und Zungenwurzel ein, wenn man sie nicht dazu erzieht, locker an den unteren Schneidezähnen liegen zu bleiben.

Ich gehe immer mehr dazu über, meinen Stimmcoachees die Vorstellung nahe zu bringen, dass jeder Ton, und ich meine jeder, direkt vor den Augen ist. Sie müssen ihn hier nur „abpflücken“. Diese Vorstellung bringt erstaunlich gute Ergebnisse. Fast von allein stellt man die richtige Mundbewegung ein, der Rachen weitet sich auch fast automatisch und die Zunge regt sich nicht schon wieder auf und meint, sie müsse eingreifen. Indem man dem Gehirn vorgaukelt, dass der Ton direkt vor einem steht, liegt oder hängt, macht es keine Anstalten, eine Verkrampfung in den Singwerkzeugen auszulösen.

4. Angst, die Kontrolle abzugeben

Die Kontrollfreaks unter meinen Schülern haben es mitunter sehr schwer. Manchmal habe ich das Gefühl, sie sehen in ihrer Stimme ein Pferd, dass sie unglaublich zügeln müssen. Die Zunge ist dabei immer und immer wieder nach hinten gezogen und der Rachen nicht locker offen.

Meist habe ich es hier auch wirklich mit Frauen oder auch Männern zu tun, die sich im Berufskampf immer wieder bewähren und durchsetzen müssen. Sie sind in einer Funktion, die Kontrolle ausüben müssen und auch nicht gern etwas aus der Hand geben.

Sie sind fast immer gestresst, wenn sie in die Stunde kommen und erst durch einige wohltuende Atemübungen kommen sie dann innerlich zur Ruhe und sind mental dann auch im Unterricht angelangt. Manchmal dauert es aber auch bis zu einer halben Stunde, bis sie im Hier und Jetzt sind. Es ist tatsächlich so, dass das Singen vieles offenbart, was in der Psyche eines Menschen vorgeht.

Erst wenn sie den Mut aufbringen und sich dem Singen wirklich öffnen, kommen erstaunliche Töne zu Tage. Es ist ein wahrhaftiges Loslassen, nichts mehr festhalten wollen. Ein Akt der Selbstüberwindung. Erst wenn man über den eigenen Schatten springt, erfährt man, wie leicht plötzlich Klänge produziert werden können. Und dann höre ich immer wieder sagen, wie mühelos ein ansonsten anstrengender Ton sich eben anfühlte.

Hier gilt es zu lernen, der eigenen Stimme zu vertrauen. Ihr zuzutrauen, dass sie auch ohne größere Eingriffe oder vermeintliche Korrekturen durch Zunge, Gaumen und Kehlkopf Klänge hervorzaubern kann. Letztendlich viel besser, als wenn man sie ständig zügeln und regulieren will.

5. Angst, sich bloß zu stellen  

Ein nicht zu unterschätzender Angstfaktor ist die Furcht davor, sich zu blamieren. Menschen, die noch fremd in meinem Gesangs-Studio sind, fühlen sich erstmal etwas gehemmt. Denn jetzt müssen sie etwas von sich preisgeben. Sie wissen auf der einen Seite nicht, wie ihre Stimme unter der Anspannung klingen wird und auf der anderen Seite nicht, was ich dazu sagen werde.

Da sie in der Regel ihren Atem noch nicht so gut unter Kontrolle haben, wird fast immer die Stimme bei einigen leichten Gesangsübungen immer leiser und verhauchter.

Dabei gibt es gar keinen Grund, aufgeregt zu sein. Denn was soll passieren? Selbst wenn ein schiefer Ton herauskommt, ist das noch nicht das Todesurteil für den Gesangsunterricht. Ein Lehrer wird hören, ob sich ein gutes Stimmmaterial hinter dem verunglückten Ton verbirgt. Und selbst, wenn die Stimme insgesamt sehr dünn ist, kann man aus einem guten Unterricht eine ganze Menge für sich, seine Persönlichkeit und den Beruf herausholen. Und mit der Zeit wird auch die Stimme kräftiger.

Gesangsunterricht lohnt sich immer und es zeugt in der Regel von Lernbereitschaft, dem Wunsch nach Weiterkommen und zeigt auch häufig eine enorme Selbstüberwindung.

Ich habe größten Respekt vor diesen Menschen.

So besiegen Sie diese 5 Angstfaktoren

Nun will ich analog der o.g. Punkte kurz zusammenfassen, was nötig ist, diese 5 Angstfaktoren zu überwinden:

1. Man braucht Mut, sich der Angst zu stellen und schlimmstenfalls wieder zu hören, dass man besser den Mund halten solle. Doch wer anfängt, an der Stimme zu arbeiten, wird sein Trauma überwinden. Und nach einiger Zeit treten weitere positive Faktoren ein, die ich immer wieder beobachte:

a) Die Haltung wird insgesamt besser;
b) die Schultern fallen nicht mehr nach vorne
c) oder im andern Fall, sie sind nicht mehr hochgezogen;
d) das Gehör wird trainiert und verbessert
e) und natürlich wird der Klang der Stimme angenehmer und voluminöser.

2. Positive Vorstellungen von Vokalen, Konsonanten und  Tönen. Sie tragen letztendlich zur richtigen Körperspannung bei.

3. Es ist wichtig, geistige Vorstellungen zu trainieren. Schwierige Passagen, übertragen auch auf schwierige Situationen, auf Augenhöhe anschauen. Ihnen ins Auge schauen und sie nicht über oder unter sich sehen.

4. Kontrolle abgeben und Loslassen. Die Stimme klingt weitaus besser, wenn sie im wahrsten Sinn des Wortes nicht unter Zugzwang steht. Das heißt natürlich nicht, dass ich ohne Körperspannung singe, aber ich darf nicht verkrampfen. Sondern sie soll aus einer fröhlichen Lockerheit heraus entstehen.

5. Selbstüberwindung heißt auch, über seinen Schatten springen und damit seine Angst besiegen. Ein Gesangsunterricht sollte immer den ganzen Menschen im Blick haben. Denn nur dann wird seine Persönlichkeit wachsen.Singen bedeutet nicht, dass ich mal 2 kleine Stimmlippchen bewege. Singen benötigt den ganzen Menschen, Körper, Geist und Seele. Ich wiederhole mich hier sicher, weil ich es an anderer Stelle schon öfter gesagt oder geschrieben habe. Aber ich kann es auch nicht oft genug betonen.

Fazit:

Singen ist Freisetzung von Energie, von Gefühlen, von Musikalität und bedeutet das Abwerfen von Versagensängsten. Es ist auch ein sich Hineinfühlen in eine andere Welt, in eine andere Person bei der Interpretation von Texten z. B. Und damit ein wahres Kennenlernen seiner eigenen Person, was alles in ihr steckt. Singen lernen ist wahrhaft eine Begegnung mit einem anderen Wesen.

Ängste besiegen bedeutet, sie sich genau anschauen und nicht davor weglaufen. Nur so werden Sie über Ihr bisheriges Ich hinauswachsen und positive Überraschungen erleben. Singen ist ein Abenteuer, bei dem man nur gewinnen kann. Allerdings erfordert es auch Ausdauer, Willen und immer wieder eine Portion Mut.

Wer hatte Gesangsunterricht – Spatz oder Nachtigall?

Gesangsunterricht geben ist ein verantwortungsvoller Beruft eine Seit 2010, kurz nach dem Tod meines Mannes, gebe ich hier in München Gesangsunterricht und Stimmtraining. Damals kam ein junges Mädchen zu mir, die unbedingt Sängerin werden wollte, aber nicht so recht wusste, ob das stimmliche Material dafür reicht. Sie bat mich,  ihre gesanglichen Fähigkeiten zu beurteilen. Nachdem ich mir ein Bild von den stimmlichen Leistungen gemacht habe, sagte ich ihr, dass sie ein gutes Material hätte. Aber eben noch nicht mehr. Sie drückte auf die Stimme, forcierte in der Höhe recht stark und hatte absolut keinen sängerischen Atem. Zudem hatte sie einige Unarten, indem sie z. B. eine Gluck-Arie mit einem Pop-Ansatz sang und von unten den Ton anschleifte.

Es stellte sich dann heraus, dass sie schon wohl mehr als 2 Jahre Gesangsunterricht hatte. Dies ist für mich eine unfassbare und nicht verständliche Situation. Sie kam dann zu mir in den Unterricht. Ich habe etwa 1 ¼ Jahre gebraucht, die schlechten Angewohnheiten, die sich bereits im Unterbewussten manifestiert hatten, zu eliminieren. Sie bekam mit der Zeit  eine wunderschöne, kraftvolle und ausdrucksstarke  Stimme mit langem Atem und weicher Höhe.

Leider stellt sich in der Praxis immer wieder heraus, wie unverantwortlich manche Gesangslehrer mit Stimmen und auch vor allem jungen Stimmen umgehen. Einfach sie drauf lossingen zu lassen ist doch kein Ausdruck von Professionalität. Gerade heute hat mir wieder eine Schülerin gesagt, dass ihre damalige Lehrerin sie hat einfach singen lassen. Keine Arbeit an Artikulation, an Stütze oder Atem. Sie kam aus jeder Stunde und war heiser und hatte am nächsten Tag Kehlkopf- und Stimmbandbeschwerden. Dies ist leider kein Einzelfall.

Sind Gesangslehrer wie Gebrauchtwarenhändler?

Mein Mann prägte einmal den Satz „Gesangslehrer sind wie Gebrauchwagenhändler“. Du weißt nie, was du bekommst. Leider ist das heute immer noch in vielen Fällen so. Das soll nicht heißen, dass es nicht viele sehr gute Pädagogen für die Stimme gibt. Ich persönlich kenne einige wirklich gute Lehrer. Aber es gibt eben auch die, die Stimmen an den Rand des Ruins treiben. Wenn man bedenkt, wie viel Geld, Zeit und Herzblut da rein gesteckt wird, weil man besser singen möchte, dann sollte man achtsamer mit der Materie umgehen. Abgesehen davon haben wir nur diese eine Stimme. Es gibt keine neuen Stimmbänder …

Aber für viele ist es halt leicht verdientes Geld. Lassen wir mal ein paar Stunden singen, dann kommt die Kohle rein, aber tun muss man da nicht viel. Dies ist haarsträubend und zutiefst verachtenswert. Solche Beispiele sind es auch, die einen ganzen Berufsstand in einen zweifelhaften Ruf bringen. Das kommt schon nah dran an das Sprichwort: „Was ist Gesangsunterricht? Du gehst als Nachtigall hinein und kommst als Spatz raus“.

Natürlich kostet es mehr Energie und Kraft, Stimmen auf den richtigen Weg zu bringen. Damit meine ich nicht unbedingt Sängerstimmen. Jeder, der singen möchte, sollte so unterrichtet werden, dass er fähig ist, wirklich mehr aus seiner Stimme rauszuholen, dass er zu seinem eigenen Timbre findet. Er sollte vor allem auch mit dem Atem besser umgehen können. Denn daran haperts bei den meisten. Zudem hilft das auch im Alltagsleben.

Die Arbeit eines Gesangspädagogen

Bei den oben angesprochenen „Lehrer“-Typen wird nichts davon unterrichtet. Die meisten davon wissen nicht mal, was eine Stütze ist, zumindest wissen es die Schüler nicht, weil sie nicht fähig sind, es zu erklären. Es wird irgendwas Diffuses von Bauchatmung gefaselt, aber nichts erklärt.

Man sollte als Gesangspädagoge genau hinhören und erkennen, wo die Fehler gemacht werden. War es die falsche und verkrampfte Zungenstellung oder die fehlende Stützarbeit? Oder liegt es an etwas anderem. Diese Dinge zu unterscheiden bedarf es eines genauen Hinhörens, Zuwendung und Wissen. Sicher ist das vielleicht für den ein oder anderen unbequem. Aber es ist unumgänglich, wenn man verantwortungsvoll unterrichtet.

Absichtlich gehe ich hier nicht auf die emotionale Seite ein, obschon sie unbedingt ohne Zweifel dazu gehört. Sie fördert zumeist schon die richtigen Körperspannungen. Doch das allein reicht nicht aus, um eine klare, präsente und mit der Persönlichkeit identische Stimme zu erhalten. Die oben angesprochenen Lehrertypen gehen oftmals nur über die Gefühlsebene.

Das allein ist jedoch zu wenig. Ich kann auch nicht Ski fahren, nur weil ich den Schnee und die Sonne so toll finde. Es braucht immer Training und Ausbildung dazu. Die zarten Stimmlippchen sind letztendlich auch nichts anderes als Muskeln, die trainiert werden wollen. Dazu gehört nun mal die ganze Körperarbeit obendrein. Denn alles ist beim Singen beteiligt.

Je länger ein Mensch mit falschen Einstellungen spricht oder singt, desto schwieriger wird es, diese wieder im Körperbewusstsein umzustellen. Wenn er dann noch jahrelang falsch trainiert worden ist, dauert es umso länger.

Im Fall meiner Schülerin vom Anfang hat es sich gelohnt. Doch hätte sie sich Geld und Zeit sparen können, wäre sie von Anfang an bei einem verantwortungsvollen Lehrer gelandet. Doch das kann anfangs niemand beurteilen, deshalb trifft diese Menschen keine Schuld. Das Vergehen an der Stimme haben allein diese faulen und verantwortungslosen Lehrer zu tragen, die die Stimmen fast ruinieren.

Ja, mich macht das wütend, weil es ja leider kein Einzelfall ist. Ich habe selbst in meinen Anfangsjahren mit schlechten Lehrern zu tun gehabt. Allein das ist ein Grund, immer weiter auch mein Wissen zu erweitern und mein Bestes zu geben, wenn ich unterrichte.