
Warum die Beste im Raum oft übersehen wird
Stell Dir ein Meeting vor. Du sagst einen klugen, genau durchdachten Satz. Es passiert — nichts. Zwei Minuten später sagt ein Kollege fast wörtlich dasselbe, und plötzlich nickt der ganze Tisch: „Guter Punkt, Herr Müller.“
Wenn Dir das bekannt vorkommt, kennst Du auch die Frage dahinter — warum Frauen sich im Beruf zurückhalten, obwohl sie ihr Fach beherrschen. Nicole Christine Läbe, mein Gast in der neuen Folge von „Die Stimme für Erfolg“, hat genau diese Szene über die Jahre hunderte Male von Frauen erzählt bekommen. Nicole war 21 Jahre im Vertrieb, ist heute Coach und Mentorin — und sie kennt den Punkt, an dem richtig gute Frauen aussteigen.
Eine Zahl, die hängen bleibt
62 Prozent. So hoch ist in manchen Architektur-Studiengängen der Frauenanteil. Und wie viele führen ein Jahrzehnt später ein eigenes Büro? Sieben Prozent.
Nicole sagt es unverblümt: Am Können liegt es nicht. Frauen beherrschen ihr Fach, oft bis in die letzte Feinheit. Irgendwo zwischen Hörsaal und Chefsessel steigen viele trotzdem aus – und überlassen die erste Reihe jemandem, der weniger kann, aber selbstverständlicher auftritt.
Brillant in der Beratung, zögerlich beim Abschluss
Aus ihrer Vertriebszeit kennt Nicole ein Muster: In der Beratung sind Frauen häufig die Stärksten im Team. Sie hören zu, fragen nach, spüren, was der andere wirklich braucht. Und dann, im entscheidenden Moment, machen sie — wie Nicole es nennt — „den Sack nicht zu“. Sie treten einen Schritt zurück, statt den einen Satz zu sagen: „So machen wir das.“
Warum? Weil viele von uns früh gelernt haben, sich zurückzunehmen. „Sei ein liebes Mädchen.“ „Stell Dich nicht so in den Vordergrund.“ Nicole erinnert daran, dass ein Mensch mit sieben Jahren im Kern geprägt ist — und diese ersten Sätze wirken oft ein Leben lang weiter. Dazu der innere Kritiker, der bei jeder neuen Gelegenheit fragt: „Meinst Du wirklich, dass Du das kannst?“
Warum Frauen sich im Beruf zurückhalten
Diesen Moment kenne ich von einer anderen Seite. Vor jedem Auftritt gibt es den einen Atemzug vor dem Einsatz — das Flattern, das Zögern, die Frage, ob Du wirklich raustrittst. Auf der Bühne kannst Du Dich nicht zurückziehen. Der Vorhang geht auf, und Du bist da. Genau diese Entscheidung — raustreten statt sich wieder klein machen — triffst Du im Berufsleben jeden Tag, nur unauffälliger.
Und noch etwas übersetzt sich direkt von der Bühne ins Business: Deine Stimme verrät, ob Du Dir selbst glaubst. Nicht die Technik entscheidet, ob man Dir folgt, sondern ob Du in dem Moment bei Dir bist.
„Danke für Deine Zustimmung“
Für die Szene mit dem Kollegen, der Deinen Gedanken als seinen präsentiert, hat Nicole einen wunderbar trockenen Konter parat: „Danke für Deine Zustimmung.“ Kein Streit, kein Rechtfertigen — nur ein Satz, der freundlich den Urheber zurückholt. Genau die Art kleiner, klarer Moment, in dem aus der zweiten Reihe die erste wird.
Nebenbei räumt Nicole mit einem Missverständnis auf. Viele Frauen zögern, sich für ihr Angebot einzusetzen, weil „verkaufen“ nach Überreden klingt. Ihr Bild ist ein anderes: Verkaufen heißt, das Problem eines anderen zu lösen. Wer sich zurückhält, hilft niemandem — am wenigsten den Menschen, die genau das brauchen, was Du kannst.
Die eine Sache für diese Woche
Zum Schluss habe ich Nicole gefragt, was eine Frau tun sollte, die genau weiß, dass sie mehr kann, sich aber zurückhält. Ihre Antwort ist überraschend einfach — und sie kostet Dich nur ein leeres Notizbuch.
Schreib auf, was Du in Deinem Leben schon geschafft hast. Nicht am Laptop, sondern mit der Hand, weil der Weg vom Kopf über den Arm aufs Papier etwas mit Dir macht. Deine Ausbildung, die schwierige Zeit, die Du überstanden hast, der Mensch, dem Du geholfen hast. Und daneben ein zweites Buch, ein Dankbarkeitsbuch, für all das Kleine, das im Alltag verschwindet. Wenn der innere Kritiker das nächste Mal fragt „Kannst Du das überhaupt?“, schlägst Du es auf. Fünfhundert Einträge, sagt Nicole, sind das Minimum.
Es ist ein kindlich einfaches Ritual. Und es weist dem inneren Kritiker die Grenze, ganz ohne großes Programm.
Zum Reinhören
Das ganze Gespräch mit Nicole — über die zweite Reihe, den ersten Schritt nach vorn und die Frau, die mehr kann — hörst Du in der neuen Folge von „Die Stimme für Erfolg“, auf YouTube und überall, wo es Podcasts gibt.
Galubst Du auch, dass Frauen sich zurückhalten – gerade im Verkauf oder Vertrieb? Welche Erfahrungen hast Du gemacht? Schreib es in den Kommentar.
Vorhang zu für heute — Deine Bühne bleibt offen. Bis zur nächsten Folge.
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